Fundraising-Preis für Spender (5/2013)

Vor einigen Tagen hat Jörg Eisfeld-Reschke einen bemerkenswerten Blog über die Defizite des alljährlich zu vergebenen Fundraising-Preises des Deutschen Fundraising Verbandes geschrieben und eine Neukonzeption angemahnt (http://sozialmarketing.de/uberlegungen-zu-fundraisingpreisen/).

Der Fundraising-Preis ist eine schöne und wichtige Anerkennung für Fundraiser und hatte schon viele würdige Preisträger. Der Fundraising-Preis ist eine sehr gute Idee!

Gleichzeitig sind uns, glaube ich, allen die Defizite des Preises in seiner jetzigen Form bewusst. Die Fundraising-Preise in den Kategorien „Lebenswerk“, „Beste Kampagne“ und „Beste Innovation“ zielen – abgesehen von der ersten Kategorie – einseitig auf kurzfristige Erfolge und führen insbesondere zu Bewerbungen von Dienstleistern. Insgesamt ist die Bewerbungslage sehr dünn. Weder für die Auswahl der Jurymitglieder noch für die Auswahl der Preisträger gibt es meines Wissens transparente Kriterien.

Vor allem aber frage ich mich eines: Warum ehren wir eigentlich nur uns selbst und nicht diejenigen, die es wirklich verdient hätten, geehrt zu werden – unsere Spender? Sie sind es doch, die im Krankenhaus ein Spielzimmer finanzieren oder die mit uns die Vision verfolgen, das Berliner Schloss wieder aufzubauen. Die Spender sind es, die unseren vielen Kampagnen zum Erfolg verhelfen. Auch hier sollten wir Fundraiser uns erinnern, dass uns Bescheidenheit gut zu Gesicht steht. Ohne Spender gäbe es keine Fundraiser, aber ohne uns Fundraiser gäbe es sehr wohl Spender.

Deshalb möchte ich einen Fundraising-Preis vorschlagen, der Fundraiser UND Spender zu gleichen Teilen berücksichtigt und einbezieht und der nicht Instrumente in den Mittelpunkt stellt, sondern Menschen. Ich könnte mir zum Beispiel folgende Kategorien vorstellen:
– Spender des Jahres (Kriterien: Höhe der Spenden, Kreativität der Spenden, Nachhaltigkeit der Spenden, Förderung von Philanthropie, Dritter Sektor und Zivilgesellschaft)
– Fundraiser des Jahres (Kriterien: Fundraising-Erfolg, Kreativität des Fundraising, Nachhaltigkeit des Fundraising, Förderung von Philanthropie, Dritter Sektor und Zivilgesellschaft)
– Ehrenpreis Lebenswerk, Spender (Kriterien: siehe „Spender des Jahres“)
– Ehrenpreis Lebenswerk, Fundraiser (Kriterien: siehe „Fundraiser des Jahres“)

Äquivalent dazu sollte die Jury paritätisch aus Spendern und Fundraisern zusammengesetzt sein. Ein solcher Fundraising-Preis stellt die Leistungen einzelner Spender und Fundraiser in den Mittelpunkt, setzt den Schwerpunkt auf Spenderbindung und nachhaltige Erfolge und verdeutlicht, dass Spender und Fundraiser EIN Team sind, das GEMEINSAM ein Ziel erreichen möchte.

Ein Preis bzw. ein Auszeichnung dient in erster Linie nicht der Auszeichnung und Ehrung einzelner (das natürlich auch), sondern der Stärkung von beispielhaften Ideen und Taten. Lasst uns in diesem Sinne den Fundraising-Preis neu denken.

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One thought on “Fundraising-Preis für Spender (5/2013)

  1. Spenden ist schon qua Gesetz selbstlos.Schon deshalb ist es nicht sachgerecht, einen Wettbewerb unter Spendern durch eine Preisverleihung auszulösen. Es ist auch ein höchst individueller Akt, und die Höhe der Spende ist von außen betrachtet immer anders als in der subjektiven Sicht der jeweiligen Spender. Sollen wir also den ALGII-Empfänger ehren, der 100 Euro für die Obdachlosenhilfe erübrigt hat, oder den Millionär, der mit einer sechs- oder siebenstelligen Summe ein Konzerthaus fördert? Nein, lasst mal gut sein. Es gibt Instrumente wie das Bundesverdienstkreuz, und Vorschläge dafür können unter anderem sowohl Spendenorganisationen wie auch der DFRV einreichen. Das passt einfach besser. – Und bitte keine weitere Selbstbeweihräucherung der Fundraiser. Da gilt das Gleiche wie bei Spendern – wie soll zwischen der Leistung eines neben- oder ehrenamtlichen Fundraisers eines kleinen Vereins mit Mini-Budget und einem in einer Organisation mit Millionen-Budget gewertet werden? Und wen interessiert das dann in der Öffentlichkeit?

    Richtig ist, dass die Wahrnehmung des Fundraisingpreises wie auch des Fundraisingkongresses in der Öffentlichkeit stärker sein könnten. Aber das gilt auch für den DFRV und auch für das Fundraising insgesamt. Der Fundraisingpreis bietet hier Chancen, aber er kann auch nach hinten losgehen – bei mancher vergangenen Preisträgerin konnte man geradezu froh sein, dass die Öffentlichkeit nicht mehr davon wahrgenommen hat.

    Was mir gut gefällt, das ist die Forderung nach mehr demonstrativer Bescheidenheit, aber die könnte man auch auf die Gestaltung des Kongresses insgesamt ausdehnen. Allerdings muss man sich das leisten können…

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