„Alles für die Katz?“ – der Test von Stiftung Warentest auf dem Prüfstand (7/2013)

Alljährlich zur Weihnachtszeit das gleiche Spiel in den Medien: In einer Zeit, in der Menschen eigentlich gerne spenden, werden die Spendenorganisationen ins kritische Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Darüber dürfen wir uns nicht beschweren. So funktionieren Medien eben.

Diesmal war mal wieder Stiftung Warentest dran und knöpfte sich gleich die vermeintlichen „Schwarzen Schafe“ der Branche vor: die Tier- und Naturschutzverbände. Ergebnis: Nur 6 (von 46) arbeiten wirtschaftlich, 6 werden als unwirtschaftlich getestet. Darunter renommierte Organisationen wie „PETA“ und „Vier Pfoten“ (siehe auch Bericht im Fundraiser Magazin).

Der Aufschrei unter uns Fundraisern ist mal wieder groß (wie ebenfalls jedes Jahr). Auch der DFRV meldet sich löblicherweise zu Wort.

Was ist passiert?

Stiftung Warentest hat 46 Organisationen nach genau 3 Kriterien bewertet: Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Organisation/Kontrolle. Damit hat es aber – das alte und bekannte Leid – genau wie das DZI (mit dem es beim Test zusammengearbeitet hat) im Grunde nur „Sekundärtugenden“ bewertet. Die entscheidende Frage – auch für Spender –, wie erfolgreich Mission und Projektziele der NPOs erreicht werden, bewertet Stiftung Warentest nicht.

Warum nicht? Klar, aus demselben Grund, aus dem auch das DZI ganz ähnlich verfährt: Alles andere wäre schlicht viel zu aufwendig. Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Kontrolle sind wichtig für Spendenorganisationen – keine Frage. Aber es sollte doch klargestellt werden, dass sie für die Gesamtbeurteilung der Arbeit einer Nonprofit-Organisationen nur einen – eben sekundären – Teilbereich darstellen. Sonst läuft eine solche Berichterstattung Gefahr, Organisationen mit höchst erfolgreichen Projekten anhand von Kriterien, die nur mittelbar Einfluss auf den (Missions-)Erfolg nehmen, öffentlich an den Pranger zu stellen.

Gut, nehmen wir einmal an, jedem Leser ist bewusst, dass es bei dem Test nur um „Sekundärtugenden“ gemeinnütziger Organisationen geht. Sind die dann wenigstens fair und mit validen Kriterien bewertet worden?

Beim Prüfpunkt Wirtschaftlichkeit macht man es sich einfach und verwendet die vom DZI bekannte 35%-Formel, sprich eine Obergrenze für die Verwaltungskosten. Wir alle wissen, dass wir hier aber eigentlich nichts wissen: Was sind Verwaltungskosten? Wie unterscheiden diese sich je nach Branche und Tätigkeitsschwerpunkt? Verhindern niedrige Verwaltungskosten nicht sogar Wachstum? Die Tierschutz- und Kampagnen-Organisation PETA musste so natürlich als unwirtschaftlich gewertet werden – klar die machen ja hauptsächlich Kampagnenarbeit, schicken Briefe raus, arbeiten sehr personalintensiv. Aber: Sie sind höchst erfolgreich damit! Sie tun für den weltweiten Tierschutz meines Ermessens mehr, als wenn sie mit den Spenden hunderte Tierheime bauen würden. Also in puncto „Wirtschaftlichkeit“ definitiv keine faire und valide Bewertung.

Beim Thema Transparenz arbeitet Stiftung Warentest mit Blick auf die Internetseite eine kurze Checkliste ab: Einnahmen-Ausgabenrechnung vorhanden, Leitungsorgane genannt, Aufsichtsorgane genannt, Website aktuell, Mitarbeitervergütungen aufgeführt? Sehr, sehr kurz, diese Checkliste… Wo ist die Transparenz der Projekte? Wo wird bewertet, wie auf Anfragen nach Information reagiert wird? Und warum scheint das DZI-Spendensiegel quasi vollständige Absolution in Sachen Transparenz zu erteilen? Urteil: guter Ansatz, aber viel zu kurz gesprungen!

Bleibt die Bewertung der Kontrolle der NPOs durch Stiftung Warentest. Und tatsächlich, hier zeigen die Tester: Sie können es auch besser! Denn die Kriterien, die hier geprüft wurden machen Sinn und sollten ruhig einmal in das Bewusstsein der Spender gelangen. Denn es spricht sehr viel dafür, per Satzung und faktischer Besetzung der Organe nicht nur In-Sich-Geschäfte auszuschließen, sondern auch Spendern die Möglichkeit zu geben, eine Fördermitgliedschaft widerrufen und jederzeit kündigen zu können. Und ja, Organisationen sollten guten Spendern auch die Möglichkeit geben, ein stimmberechtigtes Mitglied zu werden! Spender stehen nicht außerhalb der Organisation. Sie gehören dazu! Auch die anderen zahlreichen Kriterien dieses Beurteilungsfeldes überzeugen: Vier-Augen-Prinzip, Reisekostenrichtlinien, Vergaberichtlinien, Rechnungsprüfung durch Wirtschaftsprüfer. Hier mangelt es tatsächlich vielen Organisation an Kontroll-Regularienm, und Stiftung Warentest zeigt mit ihren Kriterien die Richtung auf!

Alles in allem: Gut, dass sich Stiftung Warentest unserer Spendenorganisationen annimmt. Denn nur durch jemanden, der immer wieder den Finger in unsere (noch immer) zahlreichen Wunden steckt, werden wir Organisationen und Fundraiser immer besser und vertrauenswürdiger.

Aber: Die unkommentierte Fokussierung auf „Sekundärtugenden“ der Spendenorganisationen und pauschale, unreflektierte Kriterien – insbesondere bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit – erweisen uns dann doch einen Bärendienst. Schade. Chance einmal wieder verpasst!