Hat der „warm glow“ ausgeglüht? (2/2014)

Vor kurzem hat die Charity Aid Foundation die Ergebnisse ihrer weltweiten Erhebung – den World Giving Index 2013 – zur Philanthropie in 135 Ländern der Erde veröffentlicht (siehe auch Artikel von Andreas Berg auf sozialmarkting.de). Danach ist die Philanthropie zwar wenig überraschend in den USA am stärksten ausgeprägt, auf Platz 2 folgt jedoch – sehr wohl überraschend – das Entwicklungsland Myanmar (wo bekanntlich die Millionen Mönche des Landes allein von Spenden der Bevölkerung leben). Deutschland liegt in diesem Ranking auf Platz 22 – und damit 2 Plätze hinter Nigeria (!).

Dagegen taucht keines der skandinavischen Länder – Schweden, Dänemark, Finnland oder Norwegen – in den Top 20 des Rankings auf, obwohl diese Länder als vorbildlich sozial und solidarisch gelten. Andreas Berg liefert in seiner Analyse dafür eine – naheliegende – Erklärung: Die philanthropischen Projekte werden in den skandinavischen Ländern über die bekanntlich sehr hohen Steuern finanziert. Deshalb brauchen die Menschen nicht mehr zu spenden.

Wenn das aber die Erklärung für das schlechte Abschneiden Skandinaviens ist – und diese Erklärung liegt nahe – liefert das ein wichtiges Indiz dafür, dass egoistische Motive – und insbesondere die Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn durch Dopamin-Stöße, das sogenannte „Warm Glow“ – eine geringere Rolle beim Spenden spielen als von den meisten Verhaltensforschern und Fundraisern gedacht.

Wäre dem nämlich so, dürften sich die hohen Steuern in Skandinavien nicht maßgeblich auf Spenden- und Philanthropie-Bereitschaft auswirken. Denn das Dopamin wird eben nur zum Glühen gebracht, wenn wir freiwillig geben oder etwas Gutes tun. Nicht bei Pflichtabgaben wie Steuern.  Für den Altruisten ist jedoch maßgeblich, dass den Menschen geholfen wird und zweitrangig, wie die Ressourcen dafür zusammen kommen. Kommen die Ressourcen aus anderen Quellen (z.B. Steuern) verzichtet er aufs Spenden.

Vielleicht ist es also doch ganz einfach: Wenn Menschen spenden, dann tun sie das nicht aus hundert komplizierten – mehr oder weniger ichbezogenen Motiven und Wünschen – sondern schlichtweg, um anderen Menschen zu helfen. Aus Altruismus eben. Oder Herzensgüte – wie es früher hieß.

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