Rezension: Die Magie des Fundraising (1/2016)

Fundraising ist ein optimiertes Mailing? Fundraising ist eine benutzerfreundliche Internetseite? Fundraising ist Spender-ROI und Rückgewinnungsquote? Nein, wenn man all die hübschen und nützlichen Fundraising-Instrumente weg lässt, die wir so im Laufe der Zeit entwickelt haben, dann ist der Fundraiser wieder ganz allein – nichts liegt zwischen ihm und dem Spender. Dann ist Fundraising auf einmal wieder großes Theater, Drama, Spannung und Emotion.

Fundraiser und Spender stehen sich Auge in Auge gegenüber. Alle Konzentration ist auf den Abschluss gerichtet. Der Fundraiser steht mit bloßen Händen da, er hat nur seine Ausstrahlung und die Virtuosität der Sprache. Und am Ende: großes Finale, wenn der Spender in die ausgestreckte Hand einschlägt.

Was Andreas Schiemenz in seinem Buch „Das persönliche Gespräch – Fundraising durch Überzeugung“ beschreibt, ist Fundraising in Reinform. Fundraising als persönliche Spendenbitte. Es ist die höchste Kunst des Fundraising – und Andreas Schiemenz, der aus dem Vertrieb ins Fundraising wechselte, beherrscht diese Klaviatur wie kein anderer im deutschen Fundraising. Das wird in seinem authentischen Buch, dem man anmerkt, das alles die persönlichen Gedanken und Erfahrungen des Autors sind, mehr als deutlich. Unter dem Motto „Nicht gespendet hat er schon“ nimmt uns Andreas Schiemenz Kapitel für Kapitel die Angst vor der Spendenbitte.

Als Belohnung bleibt ein unglaubliches Glücksgefühl. Andreas Schiemenz erlebt es gleich dreimal: bei der persönlichen Spendenzusage und beim Eingang des Geldes auf dem Konto. Vor allem aber, wenn sich der Spender dafür bedankt, dass er helfen durfte. Welch‘ ein Glücksgefühl! Auf einen Schlag zwei Menschen glücklich gemacht – den, der Hilfe benötigt und den, der Hilfe gibt.

Das ist Magie. Die Magie des Fundraising.

Geschenkt (7/2014)

Diese Rezension erschien zunächst im Fundraiser-Magazin 6/2014.

Wem ist das nicht schon einmal passiert? Sie tun einem Menschen etwas Gutes und plötzlich öffnet sich ein Universum, mit dem Sie nicht gerechnet haben: Sie schicken einer alten Freundin nach Jahren einen kleinen Postkarten-Gruß zum Geburtstag – und telefonieren seitdem wieder jeden Tag miteinander. Sie spielen Karten mit einem Jungen, der in der Bahn allein zu seinem Vater reist, und plötzlich lacht der halbe Waggon bei dem lustigen Treiben mit.

In dem Roman „Geschenkt“ des österreichischen Bestseller-Autors Daniel Glattauer eröffnet sich für den Protagonisten Gerold Plassek ein besonders weites und fantastisches Universum, nachdem ein anonymer Wohltäter regelmäßig hohe Geldbeträge an hilfsbedürftige Menschen und Orga­ni­sa­tio­nen verteilt – und die Hinweise auf die Not­situationen aus Plasseks Artikel für ein kleines Lokalblättchen nimmt. Am Ende wird nicht nur das Leben des herzensguten Versagers Plassek völlig auf den Kopf gestellt, sondern er zum wahren Beschenkten.

„Geschenkt“ ist ein Roman, der auf einer wahren Begebenheit – dem sogenannten „Wunder von Braunschweig“ – beruht und auf spannende und anrührende Weise von dem Zauber des Spendens und Schenkens erzählt, das häufig viel weiter ausstrahlt, als wir denken. Ein Buch, das auf den Nacht­tisch jedes Fundraisers gehört. Am besten las­sen Sie es sich schenken.

Foto: Deuticke Verlag

Foto: Deuticke Verlag