Rogare (5/2015)

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Alle Fundraiser reden über Verwaltungskosten. Aber wie relevant sind sie wirklich? Welche Spender lassen sich wie stark von ihnen beeinflussen? Bei welchen Themenfeldern spielen sie eine große Rolle in der Spendenentscheidung, wo eher keine? Alle Fundraiser zielen auf möglichst religiöse Spender. Aber wie hoch ist der Einfluss der Religiosität wirklich? Wie stark hängt die Spendenbereitschaft von der Art der Religion ab? Und wofür spendet welche Religion am liebsten?

Alle Fundraiser betreiben Relationship Fundraising. Aber jeder baut sich seine Beziehungen ein bisschen selbst zusammen. Erkenntnisse aus der Psychologie, der Soziologie oder Marketingtheorie, wissenschaftliche Studien über Motive, Einflussfaktoren und Prozesse von Beziehungen unterschiedlicher Arten und zwischen unterschiedlichen Akteuren werden selten konsultiert oder berücksichtigt

Es gibt Antworten auf alle diese Fragen. Nur kennt sie keiner. Sie verstecken sich in Universitätsbibliotheken, akademischen Datenbanken und auf vereinzelten wissenschaftlichen Seminaren. Sie liegen brach in der von Fundraisern beflissentlich übersehenen internationalen Philanthropie-Forschung, aber auch in völlig anderen wissenschaftlichen Disziplinen.

Wissenschaftler und Fundraiser kommen sich selten in die Quere. Und das ist schade! Denn es bleiben nicht nur viele Fragen unbeantwortet, es werden viele Fragen gar nicht erst gestellt. Wissenschaftler der Philanthropie- und NPO-Forschung wissen häufig nicht, was die Fundraiserin „auf der Straße“ bewegt, auf welche Fragen sie Antworten haben möchte.

Deshalb gibt es seit einiger Zeit an einem der führenden Philanthropie-Forschungsinstitute weltweit, dem Centre for Sustainable Philanthropy an der Universität Plymouth (UK), den think tank Rogare. Rogare hat im Lateinischen die Bedeutungen Fragen und Holen. Und das tut Rogare. Es holt unter Leitung von Ian MacQuillin Wissenschaftler und Fundraiser aus aller Welt zusammen. Und es stellt die richtigen Fragen – an die Wissenschaftler und an die Fundraiser.

Erklärtes Ziel von Rogare ist es, die Ergebnisse der Wissenschaft – z.B. aus der Spenderpsychologie, NPO-Sektor-Forschung, CSR-Forschung und Marketingtheorie – an diejenigen zu bringen, die sie am meisten gebrauchen können, die Fundraiserinnen und Fundraiser. Und umgekehrt, die Fragen dieser Fundraiser an die Wissenschaftler. Wichtige aktuelle Themengebiete des think tanks sind die Wahrnehmung von Fundraising in der Öffentlichkeit, die Bedeutung der Verhaltenswissenschaften für das Fundraising oder das oben angesprochene Relationship Fundraising.

Diese Schnittstelle hat bisher gefehlt. Ich freue mich – und fühle mich geehrt – die kommenden zwei Jahre als Advisory Board Member von Rogare an dieser Aufgabe mitwirken zu können und für Rogare die Brückenfunktion in die deutschsprachige Fundraising Community zu übernehmen – auch mittels dieses Blogs. Denn Fragen bildet.

PS: Rogare hat auch seinen eigenen, sehr empfehlenswerten Blog – den Critical Fundraising Blog – mit Artikeln und Kommentaren der Mitglieder von Rogare zu aktuellen Debatten und Fragen des Fundraisings.

PPS: Hier finden Sie die Pressemitteilung von Rogare zu den neuen Advisory Board Mitgliedern.